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Mystischer Ritten

Der Ritten ist ein interessanter Ort für alle, die es gerne ein wenig geheimnisvoll haben. Denn noch sind lang nicht alle Geheimnisse geklärt, welche sich im Schoß einer einmaligen Geschichte verbergen. Aufgrund seiner geografischen Lage war der Ritten auch in prähistorischer Zeit ein idealer Ort, um sich niederzulassen. Hier war man auf einem Berg und überschaute die Talsohle, die, von den Flüssen immer bedroht und von Sümpfen überzogen, auch wenig Schutz von menschlichen und tierischen Räubern bot.

In den Dreisiger Jahren sorgte ein Fund in Wolfsgruben für besonderes Aufsehen: Dr. Ravanelli aus Bozen und Dr. Kienle entdeckten am Roarer Windspiel am Wolfsgrubener See einen Opferstein. Sie waren überzeugt, dass auf diesem sogar Kinder geopfert worden waren. Die Steine sollen von den Illyrern aufgerichtet worden sein und über diese Steine haben sie ihren Göttern gehuldigt. Die Altäre dienten als Opferstätten, auf denen Tiere und sogar die eigenen Kinder den überirdeischen Mächten dargebracht worden waren. über eine Rinne sammelten die Menschen das Blut in den Schädeln der Opfer, um es nach altem Brauch zu trinken. Je größer das Anliegen war, desto größer musste das Opfer sein, welches man darbrachte.

Heute erinnert ein aufrechter Steinkoloss an das Spektakel, das wir heute für grausam und barbarisch verurteilen mögen, weil wir nicht die Hintergründe und die Kultur kennen, die hinter diesen Riten standen. Das von Menschenhand geschaffene Bauwerk wurde auch wieder durch Menschen zerstört: denn neue Völker kamen, um die Gegend zu besiedeln und als sie die Besiedlungen beschlagnahmten, wurden auch die Altäre der Vorgänger zerstört.

Nicht zerstört wurden aber die Wallburgen, welche um 2000 vor Christus entstanden sind. Die Bewohner dieser waren Räter, genauer gesagt Isarcen, wie die im Eisacktal unter wohnenden illyrischen Räter genannt wurden. Sie alle sprachen eine rätische Sprache. Aus der Bronzezeit (im Alpenraum zwischen 2800-1000 v. Chr.) kamen verschiedene Bodenfunde zu Tage.

Die Wallburg vom Oartlkopf im Bereich des Wolfsgrubener See' s vermittelt ein umfangreiches Bild einer solchen prähistorischen Wohn- und Wehranlage: Gegen Osten gaben die steil abfallenden Steilwände Sicherheit gegen Räuber, sei es Mensch oder Tier. An den anderen drei Seiten aber wurden lange Stein- und Erdwälle gebaut, um Sicherheit zu haben. Der umliegende Wald gab genügend Nahrung für Tier und Mensch, der seichte Weiher (Mitterstieler See) war ein idealer Vorratsschrank für den täglichen Bedarf an Frischfisch, außerdem ergab sich hier die Möglicheit zu baden.

Auch an verschiedenen anderen Kuppen und Anhöhen des Hochplateaus finden wir die Spuren vorzeitlicher Wohnsiedlungen, die aber wohl meist nur einer Großfamilie als Zufluchtsort dienten. Solche "Wallburgen", wie solche im Volksmund werden, findet man beispielsweise auch auf dem Fennberg zwischen Klobenstein und Lengmoos, auf dem Astner Bühel südlich von Klobenstein, auf dem Geigerbühel und dem Zwingensteiner Burghügel bei Unterinn, auf dem Wallnereck bei Lichtenstern, beim Roarer Windspiel in Wolfsgruben, auf der Treidner Weide bei Oberinn oder beim St. Johanniskofel unterhalb von Wangen.

Josef Rampold fasste den Reichtum an prähistorischen Stätten passend zusammen: "Keine andere Gegend des Eisacktales ist so dicht mit Urzeitsiedlungen übersät, wie der Süd- und Ostabhang des Ritten." Und es sind auch einige sensationelle Funde darunter gewesen, die meisten davon sind in Bozen im Stadtmuseum ausgestellt.

Ein besonderes Fundstück wurde beim Penzlhof unterhalb von Lengstein, nahe des St. Verena Kirchleins gefunden. Der Penzlbauer hatte das "Ding" seit jeher als Dengelstein verwendet. Wie sich herausstellte war das Werkzeug ein seltenes Exemplar eines 4000 Jahre alten Figurenmenhirs, eine gravierte Steinsäule, deren Bildschriftzeichen mehr Rätsel schaffen als zu lösen und sogar einen weitgespannten Vergleich zu Funden in Neuguinea hergestellt haben.

Der Ort dieses Fundes ist nicht weiter verwunderlich, denn der Hügel, wo heute ein christlicher Bau steht, war seit jeher ein Ort der religiösen Verehrung. So wie an verschiedenen Orten, an denen vereinzelte Sakralbauten stehen. Es war nicht einfach, die Launen der Natur zu begreifen oder gar vorherzusehen. So hat man sich mit Gottheiten beholfen, welche für das Unerklärliche verantwortlich waren, so wie bei allen Völkern auf dieser Erde. Neue Besatzer bedeuten neue Sitten. Und nicht selten sind mit neuen Sitten auch neue Götter verbunden. Denen werden neue Heiligtümer errichtet. Und meist werden die neuen Heiligtümer bei den alten errichtet und so bleiben die Kultstätten über einen Menge Kulturen hinweg die gleichen, um die Rituale der Vorgänger in Vergessenheit geraten zu lassen, um die eigene Macht zu präsentieren und um die alten Orte mit dem "richtigen" Glauber rein zu waschen.